Wenn du schon einmal ein Knäuel in der Hand hattest, das sich unglaublich weich, fast seidig anfühlte – und dabei versprochen hat, maschinenwaschbar zu sein –, dann hattest du vermutlich Superwash-Garn in den Fingern.
Aber was bedeutet das eigentlich? Und warum schwärmen so viele von Non-Superwash-Wolle, wenn doch das andere so praktisch klingt?

Dieser Artikel lädt dich ein, beide Garnwelten kennenzulernen: die glatte, pflegeleichte Seite der Superwash-Behandlung – und die naturbelassene, griffige Seite der unbehandelten Fasern. Denn welche Variante du wählst, sagt viel über dein Strickgefühl, deine Werte und deine Lieblingsstücke aus.


Was bedeutet „Superwash“?

„Superwash“ bezeichnet ein Verfahren, bei dem Wollfasern so behandelt werden, dass sie in der Maschine gewaschen werden können, ohne zu verfilzen.
Das geschieht in mehreren Schritten – meist mit Chlorbehandlung und einer Harzbeschichtung. Dabei wird die natürliche Schuppenschicht der Wollfaser geglättet oder ummantelt.

Ergebnis:

  • Die Wolle fühlt sich glatter an.

  • Sie glänzt oft leicht.

  • Sie lässt sich problemlos waschen, ohne einzulaufen.

  • Farben wirken intensiver und gleichmäßiger.

Superwash-Garne sind besonders beliebt für:

  • Baby- und Kinderkleidung

  • Alltagsstücke, die oft gewaschen werden

  • Projekte mit klaren, leuchtenden Farben


Und was ist Non-Superwash?

Non-Superwash – auch „naturbelassene Wolle“ genannt – ist unverfälschte, unbehandelte Wolle. Ihre Schuppenstruktur bleibt intakt, und genau das verleiht ihr Charakter: Wärme, Griffigkeit und einen leicht „lebendigen“ Griff.

Diese Fasern fühlen sich natürlicher an, atmen besser und bieten hohe Elastizität. Sie besitzen außerdem selbstreinigende und wärmeregulierende Eigenschaften.

Non-Superwash-Garne sind ideal für:

  • traditionelle und rustikale Strickstücke

  • Zopfmuster und Strukturmuster (die sich besser „halten“)

  • natürliche, matte Farbtöne

  • bewusste Projekte mit Fokus auf Regionalität und Nachhaltigkeit


Ein Vergleich – Gefühl, Verhalten, Pflege

Eigenschaft Superwash Non-Superwash
Haptik Glatt, weich, leicht glänzend Griffig, wärmend, natürlich
Pflege Maschinenwaschbar Handwäsche empfohlen
Optik Klare Farben, gleichmäßig Lebendige Oberfläche, eher matt
Strickbild Fließend, mit mehr Bewegung Stabil, formhaltend
Nachhaltigkeit Chemische Behandlung nötig Umweltfreundlicher, unbehandelt
Einsatzbereich Alltagskleidung, Kinder, Socken Pullover, Cardigans, Fair-Isle-Muster



Das Strickgefühl: Wahrnehmung mit den Händen

Wer einmal Non-Superwash-Garn auf den Nadeln hatte, kennt diesen kleinen Moment, in dem das Garn fast antwortet. Es hakt leicht ein, ist griffig – man spürt jede Masche bewusst. Das Ergebnis ist ein Stoff mit Charakter und Tiefe.

Superwash hingegen gleitet wie ein seidig-klares Versprechen durch die Finger. Maschen fließen, das Stricken geht schnell von der Hand. Das Gestrick fällt weicher, oft fließender – perfekt für Schals, Tücher und zarte Teile.

Beides kann unglaublich befriedigend sein. Es hängt davon ab, wie du stricken willst, nicht nur was.


Thema Nachhaltigkeit

Hier trennt sich die Philosophiewelt der Stricker:innen.
Superwash-Behandlungen verwenden meist chemische Prozesse, die Umweltaspekte kritisch machen. Zwar gibt es mittlerweile alternative Verfahren – etwa auf Enzymbasis – doch komplett chemiefrei sind die wenigsten.

Non-Superwash-Garne hingegen werden oft:

  • lokal produziert,

  • schonender gewaschen,

  • und behalten ihre natürlichen Eigenschaften.

Nachhaltig bedeutet also nicht nur „öko“, sondern „dauerhaft schön“. Eine Non-Superwash-Jacke altert würdevoll – sie wird weicher, formt sich nach dir und erzählt mit der Zeit deine Geschichte.


Häufige Fragen (FAQ)

1. Kann ich Non-Superwash wirklich nicht waschen?

Doch – aber vorsichtig! Handwäsche in lauwarmem Wasser mit etwas Wollwaschmittel reicht völlig. Wichtig ist: nicht rubbeln oder wringen, sonst verfilzt das Material.

2. Lohnt sich Superwash, wenn ich viele Alltagssachen stricke?

Ja, absolut. Wenn du für Kinder oder den täglichen Gebrauch strickst, ist die pflegeleichte Variante oft praktischer.

3. Kann ich Garne mischen?

Du kannst – aber achte darauf, dass beide Garne ähnlich fallen. Superwash-Garne dehnen sich oft mehr, Non-Superwash bleibt stabiler.

4. Wie erkenne ich, ob ein Garn Superwash ist?

Das steht meist auf der Banderole. Oft erkennst du es auch an der glatteren Oberfläche und dem sanften Glanz.


Fazit: Welches Garn passt zu dir?

Es gibt keine „richtige“ Wahl – nur die passende für dich.
Superwash ist komfortabel, brillant und praktisch. Non-Superwash ist ehrlich, sinnlich und beständig.
Beide Arten haben ihre Schönheit.

Wenn du magst, probiere es aus: Stricke zwei kleine Proben – dieselbe Nadeln, dasselbe Muster. Fühle, wie sich die Maschen legen, wie das Garn auf Wärme, Bewegung und Waschen reagiert.

So findest du heraus, was dich beim Stricken glücklich macht.

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