Tierische und pflanzliche Fasern

Fasern

Es gibt ungefähr so viele Fasern wie es Strickstile gibt. Okay, vielleicht nicht ganz so viele, aber es sind ganz schön viele. Und weil das alles manchmal doch ganz schön verwirrend sein kann, möchten wir für Dich an diese Stelle einmal Licht ins Dunkel bringen und Dir zeigen, welche Fasern es gibt und was sie ausmacht! Los gehts:

Tierische Fasern

(Schur-)Wolle: Der absolute Klassiker-keine Frage. So sehr, dass gemeinhin Garn als Wolle bezeichnet wird, obwohl (Schur-)Wolle im eigentlichen Sinne oft gar nicht enthalten ist. Hier erzähle ich Dir wahrscheinlich noch nichts Neues, aber wir wollen ja vollständig bleiben. Also, Wolle wird aus dem Fließ von Schafen gesponnen. Sie ist einer der ältesten textilen Werkstoffe überhaupt und heute noch ganz genauso beliebt. Sie ist belastbar, flexibel und lässt sich besonders gut färben. Vor allem hat sie hervorragende Isolationseigenschaften. Deshalb hält sie uns so wunderbar warm. Schurwolle ist aber natürlich nicht gleich Schurwolle. Ganz entscheidend ist nämlich das Schaf, von dem sie kommt. Lammwolle zum Beispiel hat die wärmste und weichste Faser. Die Merinowolle, wer hätte es geahnt, kommt von den Merinoschafen.

Kaschmir: Kennen wir eigentlich als Begriff des Luxus von Pullovern oder Schals. Sie lässt sich aber auch wunderbar verstricken. Kaschmir zeichnet sich besonders durch seine extreme Weichheit aus. Sie wird einmal im Jahr vom Bauch der Kaschmirziegen geschoren, die eigentlich nur in Tibet und China vorkommen. Weil diese Faser aber dementsprechend leider auch ziemlich teuer ist, findet man sie meistens in Kombination mit anderen Fasern.

Vicuña: Wenn wir schon bei außergewöhnlichen (und außergewöhnlich teuren) Fasern sind, kommt man nicht um Vicuña herum. Die Vicuñas leben in den südamerikanischen Anden in der freien Wildbahn. Das bedeutet, dass man sie, um sie scheren (eigentlich kämmen) zu können, erstmal in diesen scheinbar unendlichen Weiten aufspüren muss. Außerdem produzieren sie gerade einmal genug Wolle, um sie alle drei Jahre zu scheren. Weil diese Fasern aber so unglaublich weich und luxuriös sind, nimmt man diesen Aufwand trotzdem auf sich. Leider zeigt sich das dann aber auch im Preis. Nichtsdestotrotz, ist es wahnsinnig toll ein solches Garn zu verstricken. Du wirst kaum etwas weicheres finden können.

Klugscheißerfakt: Besonders in den entsprechenden Ländern in Südamerika ist Mode aus Vicuña Fasern heiß begehrt. Leider bezahlt man dementsprechend schnell einmal einige Hundert bis Tausend Euro für ein solches Stück. Das ist für unsere Verhältnisse schon astronomisch, wenn man aber das örtliche Preisniveau betrachtet, erscheint einem das fast absurd. Das wäre wahrscheinlich in etwa so, als möchtest Du hier ein Tuch aus Goldfäden kaufen. Okay, okay, vielleicht nicht ganz, aber Du verstehst, worauf wir hinaus wollen. Es ist einfach sauteuer.

Alpaka: Sehr nah verwandt mit dem Vicuña. Es gibt aber einen ganz entscheiden Vorteil, es ist absolut bezahlbar. Was allerdings ähnlich ist, ist, dass auch die Alpakawolle eher durch kämmen als durch Scheren gewonnen wird. Die Fasern sind recht lang und hohl. Deshalb werden sie beim Spinnen besonders leicht und warm. Da Alpakas natürlicherweise meist beige bis braun sind, müssen die Fasern vor dem Färben erst einmal gebleicht werden. Die feinste Alpaka Faser ist die Suri. Leider hat Alpakagarn sehr wenig “Gedächtnis”, das heißt, dass es bei Dehnung leider recht schnell ausleiern kann.

Llama: An dieser Stelle dürfen wir natürlich auch das Llama nicht vergessen. Seine Faser besitzt sehr ähnliche Eigenschaften, wie die der Alpakas, allerdings ist Llama Wolle weniger fein.

Kamel: In welchem genauen Verwandtschaftsgrad jetzt das Kamel zu Alpakas, Vicuñas und Llamas steht, ob jetzt Großonkel 15. Grades oder vielleicht doch Schwipp-Schwager, darauf wollen wir jetzt nicht genauer eingehen. Für uns reicht es eigentlich zu wissen, dass sie verwandt sind. Das Kamelhaar wird allerdings weder geschoren noch gekämmt, es wird eingesammelt sobald das Tier es verliert. Da Kamelhaar besonders stark und warm ist, wird es oft für Mäntel verwendet. Meistens bleibt die Wolle in Naturfarben, da sie sich nur sehr schlecht färben lässt.

Mohair: Mohair ist ein außerordentlich leichtes und warmes Garn, das aus dem Fließ der Angora Ziege gesponnen wird, die traditionell um Ankara in der Türkei gezüchtet wurden. Heute werden sie aber überall auf der Welt gezüchtet. Das Kid Mohair wiederum wird aus dem Fließ der jungen Ziegen gewonnen, was es wie immer weicher macht als das der erwachsenen Tiere. In seiner Beschaffenheit ist Mohair sehr ähnlich zur Wolle, nur ist es leider ein bisschen weniger widerstandsfähig.

So ab jetzt wird’s endgültig etwas exotisch. Nichtsdestotrotz möchten wir Dir aber auch (und besonders) die exotischen tierischen Fasern, die es da draußen gibt, vorstellen.

Bison: Die Bisonwolle ähnelt auf den ersten Blick stark der Kaschmirwolle. Sie fühlt sich auch sehr ähnlich an. Sie ist ein gutes Stück wärmer als Schurwolle und außerordentlich haltbar.

Quivit: Na, schonmal gehört? Das ist die Faser der Unterwolle des arktischen Moschusochsen. Das ist der ABSOLUTE Garnluxus. Es ist feiner als Kaschmir und acht mal wärmer als Wolle. Wenn du sie anfasst und benutzt, wird sie nur noch weicher. Wie man sich bei der Herkunft vielleicht schon denken kann, ist auch diese Faser sündhaft teuer und eignet sich daher eher nicht so gut zum alltäglichen Verstricken.

Angora: Möglicherweise ist es dir aufgefallen, Angora haben wir schon einmal gehört. Allerdings hat das hier nichts mit der Angora-Ziege zu tun. Diese Faser kommt vom Angora- Kaninchen. Ja, richtig gelesen, vom Kaninchen. Das gewonnene Garn aber ist extrem weich, fluffig und warm. Es ist sowohl in der Weiterverarbeitung, als auch in der Gewinnung recht aufwändig, es muss ebenfalls durch Kämmen gewonnen werden und jedes Tier produziert nur sehr wenig Wolle. Damit ist es leider - mal wieder - nicht nur außergewöhnlich toll sondern auch ganz schön teuer *seufz*.

Possum: Eine weiche, leichte Faser. Die Tiere stammen ursprünglich aus Australien. Da die Fasern so kurz und fein sind, müssen sie mit anderen Fasern wie beispielsweise Schurwolle, Alpaka oder anderen angesagten Fasern zusammen versponnen werden.

Klugscheißerfakt: Die Possums wurden in den 1800er Jahren nach Neuseeland gebracht. Da sie dort aber keinerlei natürliche Feinde hatten haben sie sich rasend schnell verbreitet und eine ernsthafte Bedrohung für das ökologische Gleichgewicht der Insel dargestellt.

Seide: Seide ist etwas ganz besonderes. Es ist der Inbegriff von Luxus. Die Wenigstens allerdings wissen, woher sie kommt. Seide wird nicht aus Tierhaar gewonnen, sie ist vielmehr eine Proteinfaser. Da sie aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen wird, ist sie aber trotzdem eine tierische Textilfaser. Der Kokon wird quasi “abgewickelt”, wobei die einzelnen Stränge jeweils bis zu 1500 Meter lang sein können. Dann werden zwei dieser Fäden zusammen zu einem versponnen. Wie man sich vorstellen kann sind diese Fäden extrem dünn, was ihre Verarbeitung sehr kompliziert macht. Der bereits zusammen gesponnene Faden wird mit weiteren Fäden solange zusammengesponnen bis die richtige Stärke entsteht. Zum Thema Seide könnte man mit Leichtigkeit ganze Bücher füllen. Wir wollen es aber an dieser Stelle erstmal dabei belassen.

Puhhh erstmal durchatmen, das war ja schonmal ein Bisschen was. Natürlich gibt es noch einige weitere tierische Fasern, allerdings möchten wir den Rahmen hier nicht sprengen, da wir noch weitere Themen haben, die wir behandeln möchten. Wenn du aber gerne noch mehr über tierische Fasern wissen möchtest, lass es uns gerne in den Kommentaren wissen, dann vertiefen wir das Thema in einem weiteren Beitrag noch weiter. So jetzt aber weiter zu den pflanzlichen Fasern.

Pflanzliche Fasern

Baumwolle: Eine der ältesten bekannten Textilfasern und auch die am weitesten verbreitete. Baumwolle wächst überall da, wo es heiß ist und die Feinsten kommen aus Ägypten und Sea Island. Wenn man diese beiden kombiniert, erhält man Pima cotton, diesen Namen könntest Du vielleicht schonmal gehört haben. Baumwolle ist in vielerlei Hinsicht ein ideales Textil. Es absorbiert Feuchtigkeit, trocknet schnell und kühlt. Es hat allerdings auch einen Nachteil. Es ist weniger dehnbar als Schurwolle.

Klugscheißerfakt: Mercerisierte Baumwolle (benannt nach dem Schotten John Mercer, der das Verfahren entwickelt hat) wird mit Ätznatron behandelt und dann solange gedehnt, bis es schön weich und stark ist. Die Franzosen nennen solche Garne fil d’éscosse (Schottischer Faden).

Leinen: Leinen wird aus dem Stängel der Flachspflanze gewonnen. Daraus eine verspinnbare und gar verstrickbare Faser zu machen ist relativ aufwendig und beinhaltet einige Arbeitsschritte. Wenn es dann aber versponnen ist, hat man ein schimmerndes, belastbares Garn. Ähnlich wie Baumwolle eignet sich Leinen hervorragend für heiße Temperaturen. In gewebter Form neigt Leinen leider stark dazu zu knittern, in gestrickter Form fällt das allerdings kaum auf. Leinen wird oft mit Baumwolle, Schurwolle oder Seide gemischt.

Klugscheißerfakt: Wissenschaftler haben bei Ausgrabungen 10.000 Jahre alte Leinenfasern gefunden, sowie Hinweise darauf, dass Flachs möglicherweise schon seit fast 40.000 Jahren benutzt wurde. Damit können wir sagen, dass Leinen bzw. Flachs eine der ältesten Textilfasern überhaupt ist.

Ramie: Sehr ähnlich zu Leinen und Baumwolle. Ramie ist ein Brennnesselgewächs, das hauptsächlich in China und Japan vorkommt. Da es etwas steifer ist als Baumwolle oder Leinen, wird es als Strickgarn oft mit anderen Fasern gemischt.

So, jetzt sind wir fürs erste mal durch. Das war aber auch schonmal Einiges. In unserem nächsten Beitrag wollen wir uns synthetische und andere organische Fasern ansehen. Wenn Du Feedback oder Anregungen hast, dann lass uns das in den Kommentaren gerne wissen. Wir freuen uns immer darüber!

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